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Aktuelles & Presse >> 2011Durch Auslandsaufenthalt attraktiver für Arbeitsmarkt werden
Acht Jugendliche aus der Region wollen mit dreiwöchigem Betriebspraktikum in Italien ihre Chancen für den Start ins Berufsleben steigern
Von Markus Müller
Ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz beziehungsweise den Einstieg ins Berufsleben verbessern sowie Arbeitsalltag, Kultur und Sprache eines anderen Landes kennenlernen: Mit diesen Zielen sind acht Jugendliche aus Ludwigshafen und Umgebung Mitte März für einen Monat in die italienische Stadt Motta die Livenza aufgebrochen. Dort haben sie erfolgreich ein dreiwöchiges Berufspraktikum absolviert.
Ermöglicht hat ihnen diese Erfahrung das bundesweite Programm Integration durch Austausch, das hier in der Region vom Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) Ludwigshafen und dem Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) Frankenthal angeboten wird. Inzwischen sind Alexander, Analena, Christopher, Jacob, Natascha, Sandra, Simon und Susanne wohlbehalten zurückgekehrt und haben das Erlebte verarbeiten können.
Beim Nachtreffen in den Räumen des CJD Ludwigshafen sitzen sie nun entspannt beisammen und tauschen sich über die gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen aus. Während sie sich unterhalten und Fragebogen für die Verantwortlichen des Projekts ausfüllen, läuft im Hintergrund eine Bildershow. Denn die jungen Frauen und Männer haben in Italien fleißig fotografiert und sich fotografieren lassen. So ist zum Beispiel Jacob in seinem Praktikumsbetrieb bei der Arbeit am Computer zu sehen. Der Anblick amüsiert die anderen, denn in der gemeinsamen Freizeit abends und am Wochenende haben sie ihn so angestrengt dreinblickend anscheinend nie zu Gesicht bekommen.
"Ich wollte einfach meine beruflichen Möglichkeiten erweitern, meine Chancen auf eine Stelle verbessern", erklärt Christopher seine Motivation, an dem Austauschprogramm teilzunehmen. Darauf aufmerksam gemacht hat ihn die Agentur für Arbeit. Die Zeit in Italien empfindet der 20-Jährige aus Ludwigshafen wie seine Mitstreiter als bereichernd. Während er in einer Logistikfirma als Bürokaufmann tätig gewesen ist, haben die restlichen Teilnehmer in anderen Berufen Erfahrung gesammelt. Natascha und Susanne (beide 18 Jahre ) aus Ludwigshafen zum Beispiel als Restaurantfachfrau. Beworben haben sich ursprünglich 16 Interessenten, und zwar spätestens zwei Monate vor dem Beginn des Austauschs. "Davon blieben dieses Mal acht übrig, da einige in der Zwischenzeit eine Lehrstelle gefunden hatten oder aus anderen Gründen nicht mehr mitmachten", berichtet Projektleiterin Christine Pohlmann.
Vier Wochen vor dem Aufbruch nach Italien haben sich die acht Kandidaten bei einem Kennenlern-Wochenende aneinander gewöhnt und mit dem vorbereitenden Sprachkurs begonnen. "Das Italienischlernen war aber kein Problem", erzählt Christopher, die anderen nicken zustimmend. Vor Ort hat die Gruppe zunächst eine Woche Zeit gehabt, Stadt und Umgebung zu erkunden und sich mit den Praktikumsbetrieben vertraut zu machen. Dort haben alle anschließend drei Wochen lang in Vollzeit gearbeitet, sind richtig in die Arbeitsabläufe integriert worden. Wie die Bilder auf der Leinwand hinter ihnen zeigen, haben sie dennoch zumindest abends die Gelegenheit genutzt, auch das Nachtleben in Motta die Livenza zu erforschen. Für Fragen oder eventuelle Probleme wie akutes Heimweh hat Betreuerin Anja Bauer zur Verfügung gestanden, die die acht Pfälzer nach Italien begleitet und unterstützt hat.
Die Erwartungen der Gruppe haben sich am Ende erfüllt. "Das Praktikum war gut, hat Spaß gemacht, und mit Kollegen dort haben wir uns auch gut verstanden", fasst Alexander (18) zusammen. "Mit einigen bleiben wir sogar über Facebook in Kontakt." Obwohl es ihnen in Italien gefallen hat, möchten sie nun erst mal in Deutschland einen Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatz finden. Für die im Praktikum erprobten Berufe können sich allerdings nur zwei von ihnen begeistern. Die übrigen würden dagegen andere Jobs bevorzugen oder planen den Besuch einer weiterführenden Schule. "Es gab sogar Teilnehmer, die im Austauschland geblieben sind. Eine junge Frau aus einer der vorherigen Gruppe lebt und arbeitet jetzt zum Beispiel in Ungarn", erzählt Pohlmann.
Bisher haben 63 Jugendliche aus der Vorder- und Südpfalz an dem Projekt teilgenommen. "Ein Großteil davon, ungefähr 80 Prozent, hat anschließend eine Lehrstelle beziehungsweise einen Arbeitsplatz gefunden", berichtet die Projektleiterin. Das trifft vielleicht auch bald auf Natascha zu. Die junge Frau hat sich nach ihrer Rückkehr erneut beworben und ist nun zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Darüber hinaus hat sie ihr privates Glück gefunden. Denn während des Italien-Aufenthaltes sind Alexander und sie sich näher gekommen und nun ein Paar.
Zur Sache: Integration durch Austausch
Das Programm Integration durch Austausch ist für junge Menschen im Alter von 17 bis 24 Jahre gedacht, die Berufserfahrung im Ausland sammeln und ihre Chancen für einen erfolgreichen Berufseinstieg verbessern möchten.
Aufgelegt hat es das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für die Jahre 2009 bis 2012. Unterstützt von den zuständigen Arbeitsagenturen und Jobcentern bieten es in der Vorder- und Südpfalz das Christliche Jugenddorfwerk Ludwigshafen sowie das Zentrum für Arbeit und Bildung Frankenthal an.
Interessierte Jugendliche sollten sich idealerweise im Übergang von Schule zu Beruf befinden oder gerade eine Ausbildung abgeschlossen haben. Die Auslandsaufenthalte finden abwechselnd in Italien und Ungarn statt. Die Teilnahme ist kostenlos, da die Kosten für die Reise, die Unterkunft und den Sprachkurs mit Mitteln der Europäischen Union gefördert werden.
Der nächste Austausch ist für Oktober und November geplant. Wer Interesse daran hat, sollte sich bis spätestens August bewerben bei der Projektstelle Ludwigshafen, Telefon 0621-59132944, E-Mail IdA-Projektstelle:Ludwigshafen@cjd.de. Weitere Informationen findet ihr im Internet unter www.erfahung-durch-austausch.de. (mamü)
Quelle: Die Rheinpfalz, 11.05.2011
Letzte Änderung: 16.05.2011 am 08:26:51



